Um die halbe Welt!

Gesines Jahr mit dem Backpack

28Februar
2014

Unterwegs im Glacier-Country

Der Rob Roy Glacier größtenteils im Nebel

 

Nachdem wir die Wale von Kaikoura besucht hatten, ging es wieder über die Alpen und den langen Highway an der Westküste bis zum „Glacier-Country“.

Bei der Alpenüberquerung, dieses Mal via Lewis Pass, hat die sommerliche Hitze unserem vierrädrigen Gefährten Walter zu schaffen gemacht: die Temperaturanzeige stand kurz vor dem roten Bereich, also links angehalten und im Gras sitzend darauf gewartet, dass man den Kühlwasserbehälter öffnen konnte - die wichtigen Dinge aus der Fahrschule behält man ja doch! Der Inhalt darin stand fast bis zum Rand. Theorie A: Wundersame Vermehrung über Nacht („self-refilling“ könnte sich beim Verkauf aber noch gut machen!). Theorie B: Wir waren beim letzten Mal Auffüllen etwas zu großzügig. Jedenfalls wurde dann ein Gartenschlauch umfunktioniert, angesaugt, der Tank geleert und nicht allzu großzügig frisch befüllt. Das Fahren danach ging dann trotz ordentlicher Steigung gut, aber da wir unser Aktion nicht ganz trauten, wollten wir eigentlich einen Mechaniker im einzigen Ort in der Umgebung konsultieren. Im Kurort Hamner Springs war an dem Samstagabend schon alles geschlossen und am Sonntag danach wollte sich jemand die Sache nur gegen eine ordentliche Stange Geld ansehen.

Idee verworfen und tatsächlich schien auch die tausend Kilometer danach das Problem ohne fachmännische Hilfe behoben.

Fachmännische Reperatur

In Gesellschaft einiger Schwärme von Sandflies, die sich auf der Suche nach Frischfleisch durch jede Autoritze und Klamottenschicht zwängen, ging es an der Westküste entlang gen Süden. Ein schöner Ort ist dort Hokitika, der Hauptstadt der Jade, die man dort an vielen Ecken kaufen kann. Außerdem gibt es am Sandstrand ein paar Kunstwerke aus Treibholz zu sehen. Wir haben uns mittlerweile (vorerst ;-) ) gegen das Auswandern entschieden und angefangen, unsere Rückreise zu planen. Auf dem Weg nach Hause wollen wir die Transsibirische Eisenbahn nehmen, die in sechs Tagen von Peking durch die Mongolei nach Moskau fährt. Das bedeutet, Visa für Russland und China; die Mongolei hat zum Glück letztes Jahr die Einreiseregelungen gelockert. Seit wir bei Thereza waren, haben wir mit Hilfe eines russischen Reiseagenten, der uns die Tickets beschafft (aufgrund der sprachlichen Differenzen ist es nahezu unmöglich, das allein hinzubekommen), angefangen, die Dokumente für die Visa zusammen zu sammeln und auszufüllen. Eine ziemlich nervenaufreibende Sache, aber in der Hokitika konnten wir dann endlich einen dicken Umschlag mitsamt unserer Pässe Richtung Wellington zu der Chinesischen Botschaft schicken.

Strand bei GreymouthTreibholz - Kunst

 

Ein paar Kilometer in Landesinneren ist ein türkiser Gletscherfluss, zu dem man ein paar Kilometer laufen kann. Würde man diesen so in einem Film sehen, könnte man denken, dass ein bisschen zu viel Farbe hinein gekippt wurde. Auch beim näheren Hinsehen, war die Farbe tatsächlich echt und das Wasser ganz schön frisch ;-)

     Am Gletscherfluss

Ein paar Autostunden weiter südlich kann man fast vom Highway aus zwei Gletscher bestaunen: den Franz Josef und Fox Glacier. Beide sind aufgrund ihrer Lage touristisch recht gut erschlossen und es war viel los. Wir sind erst zu einem Aussichtspunkt gewandert und am nächsten Tag einen kürzeren Weg fast direkt vor die Gletscherhaustür des Fox gelaufen. Ziemlich groß und beeindruckend. Laut Sönke sei es unter der Einflugschneise des Kasseler Klinikums allerdings ruhiger als auf dem Wanderweg zum Gletscher. Das Angebot, sich einen Helikopter für eine Glacier - Watching - Tour zu mieten, scheint doch recht häufig wahrgenommen zu werden.

Alpenüberquerung Nr. IIFox GlacierAm Haast-Pass

 

  

 

 

 

 

Auf der Fahrt nach Wanaka ist man teilweise mutterseelenallein unterwegs. Die nächste Tankstelle sei laut Ausschilderung in 100 Kilometern im Haast Village, man freut sich auch auf einen Supermarkt und dann besteht Haast aus gut 20 Häusern - dementsprechend teuer ist der Diesel.

Auf dem Weg zu einem Campingsplatz Walter in Aktion Einsame Parkuhr

Wanaka war dann ein paar Nummern größer und hat mir richtig gut gefallen mit hohen Bergen und einem riesigen See. Auf einer Schotterpiste kam man nach neun Flussdurchquerungen zu dem Anfang des Wanderwegs zum Rob Roy Glacier. Eine große Hängebrücke auf der Tour und am Ende Blick auf den riesigen, teilweise eisblauen Gletscher. Das Wetter war am Ende ziemlich windig und ungemütlich, dass sogar ein Wasserfall nicht mehr den Weg nach unten schaffen konnte. 

Blick von Wanaka aus    Ein Wasserfall findet keinen Weg nach untenRob Roy Glacier

24Februar
2014

Auf Tiefenexpedition

Nördlich von Christchurch liegt das kleine Dorf Kaikoura auf einer Halbinsel, der Kaikoura Peninsula. Touristisch gesehen ein Hot-Spot, weil der Festlandsockel unmittelbar an der Küstenlinie 1600m steil abfällt und den Kaikoura-Canyon bildet. Dass alles wird noch eindrucksvoller, da der Ort von einer Gebirgskette. den Kaikoura Ranges, umringt wird, von welcher der höchste Berg schlappe 2885m misst. Tiefsee fast direkt vor der Küste - deshalb ist Kaikoura der beste Ort Neuseelands, um Wale und andere Meeresbewohner zu beobachten. Erst Fischerdorf, dann Walfanggeschäft und heute geprägt vom Öko-Tourismus.
Wir wollten unbedingt dorthin, weil wir in Neuseeland das Buch "Der Rote" von Bernhard Kegel gelesen hatten, wo sich genau in Kaikoura - vergleichbar mit "Der Schwarm" - eine Katastrophe ereignet und ein Meeresbiologe dem auf den Grund geht. Sogar in E-Mail-Kontakt standen wir schon mit dem Autor, um nach der englischen Übersetzung zu fragen, weil wir das Buch verschenken wollten. Die Übersetzung gibt es zwar noch nicht, aber es ist jedenfalls sehr empfehlenswert ;) 

Gebirge im Nebel Die Spitze der Halbinsel Eine Kolonie von Seehunden gab es auch Warnung am Strand:  


Leider hatten wir das Pech, dass wir die Berge während unseres Aufenthaltes immer nur mit Wolken verhangen erahnen konnten. Aber auch wir sind früh morgens im Nebel zum Whale-Watching mit einem Boot raus gefahren. Bei der Suppe eigentlich bemerkenswert, dass man überhaupt eine Fontaine am Horizont erkennen konnte, die auf einen Wal hindeutet, der zum Durchschaufen an die Wasseroberfläche gekommen ist. Ich konnte mal wieder feststellen, dass ich nicht seefest bin und lieber nicht auf einem Kutter anheuern sollte- andere Passagiere waren es aber noch weniger! Trotzdem waren wir ziemlich erfolgreich und haben drei Pottwale (vor allem deren Fluken), Albatrosse, Dusky Dolphins sowie Barracudas auf der Jagd gesehen.


Anbei ein paar Fotos zum Bestaunen:

Fluke No.1 Fluke No.2

 

14Februar
2014

Farmer-Lifestyle

Unsere derzeitige Residenz

Aufwachen in einem Bett mit Panoramablick über eine Farm; „Weat - Bix“ (eine vollkornartige Masse, in Riegelform gepresst, wird mit etwas Milch in einer Mikrowelle erwärmt und ergibt dann etwas mit Porridge vergleichbares. Typisch neuseeländisch und laut Packung die offizielle Powernahrung am Morgen der All Blacks) zum Frühstück in einer großen Küche mit Kühlschrank; Elektrizität, eine immer verfügbare, warme Dusche - das hört sich nach einem Backpacker - Traum an!

Tatsächlich hat es uns zu Thereza verschlagen, wo wir gerade im Luxus schwelgen. Sie wohnt nördlich von Christchurch in Rangiora, ist Hebamme und neben ihren zwei pferdeverrückten Töchtern gibt es noch einige Familienmitglieder: neun Pferde, zehn Schafe, eine Eselfamilie, zwei Pudeldamen sowie zwei vierbeinige und eine dreibeinige Katze. Zu dem Glück sind wir durch das großartige Internet gekommen, wo es eine Plattform gibt, auf welcher Menschen bei denen zu Hause (meist auf einer Farm) viel Arbeit anfällt und die so nach arbeitswilligen, halbwegs obdachlosen Leuten suchen können. Oder umgekehrt kann man diesen seine Hilfe anbieten. „Wwoofen“ bedeutet, dass man etwa vier Stunden am Tag arbeitet und dafür ein Bett und etwas zu Essen bekommt. Bei Thereza bedeutet das für uns konkret, dass man für die Hilfe auf der Farm und mit dem Haushalt Teil der Familie ist, einen unglaublich vollen Kühlschrank mitbenutzen darf und ein weiches Bett in einem ¾ verglasten Raum hat. Nach unserem länger währenden Dasein als Dauercamper wieder eine willkommene Abwechslung. Außerdem gehen jeden Tag viele interessante und nette Freunde aus und ein im so genannte „Mad House“. In dem extravaganten Haus sind afrikanische Figuren und Bilder sowie alte Strommasten als Teil der Baukonstruktion zu bestaunen.

Eselfamilie mit laaangen Ohren Fohlen Hanni Penny

Unsere Jobs sind sehr abwechslungsreich und nach ein paar Wochen hier ist man sicherlich zum Vollblut-Farmer ausgebildet. Sönke lernt reiten, wir beide können mittlerweile ein Auto mit Automatikgetriebe fahren und auch noch von einem Anhänger hinten gefolgt mehr schlecht als recht einparken. Eines Morgens wurde der Anhänger angekuppelt, es ging in einen von Therezas Paddocks, wo eines der Schafe vor ein paar Tagen verschieden ist. Die Sommerhitze und der Todeszeitpunkt hat man dem Tier sowohl angesehen als auch angerochen. Mitsamt ein paar Maden ging es für dieses dann auf die Ladefläche vom Hänger und weiter zu einer befreundeten Nachbarin - auch bei einer Entfernung von 15 Kilometer Luftlinie pflegt man hier noch ein Nachbarschaftsverhältnis. Sönke und ich sind mit unserem Walter hinterher gefahren und haben erstmal alle Fenster und sonstigen Öffnungen gut verschlossen, was den Verwesungsgestank doch nicht daran gehindert hat, durch sonstige Ritzen zu dringen. Bei Chris gibt es auf einer Wiese einige gut 10 Meter tiefe Löcher, die als Massengräber für das Vieh der Nachbarschaft (großes Einzugsgebiet!) genutzt werden und mit einem Stück Holz abgedeckt werden. Dort fand dann die Bestattung der Schafe statt. Immerhin wird man noch gewarnt „Pass auf, drei Schritte hinter dir ist noch ein Loch“. Die Alpträume in der Nacht danach kann man sich erdenken.

Chris hat neben Bestattungslöcher in der Erde auch noch Araber-Pferde für Distanzrennen, die sogar in die USA geflogen werden, um dort 100 Kilometer zu rennen, um viel Geld zu verdienen. Mit dem Jockey Hamish durfte ich dann hoch zu Ross die Berge auf- und abrasen, damit die beeindruckend gut trainierten Pferde wenigstens ein wenig aus der Puste kommen. Einen Tag später wurde ich früh morgens mit dem Horsetruck von Chris abgeholt, der neben Platz für mehrere Pferde auch noch eine voll ausgestattete Küche und drei gemütliche Betten bietet - damit kann man Backpacker durchaus beeindrucken. Wir haben dann zu Trainingszwecken nahe bei den Alpen durch dementsprechend atemberaubenden Landschaften 30 Kilometer in beeindruckenden 1 ½ Stunden im gestreckten Trab zurückgelegt.

Außerdem sind wir einen Nachmittag mit einer deutschen Austauschschülerin und einer Freundin mit ihren Söhnen (die sich während der Fahrt hinten am Ersatzreifen des Autos geklammert haben) zu einer tieferen Stelle des Flussbetts gefahren, um zu schwimmen - es ist hier ununterbrochen sonnig und heiß und die Landschaft ganz trocken und verdorrt. Auf der Fahrt haben wir einen brennenden Baum entdeckt, woraufhin wir anhielten, die Fußmatten und eine Plane mit dem Wasser aus dem Fluss als Löschwerkzeug nutzten. Thereza fuhr mangels Handyempfang nach Hause, um die Feuerwehr zu alarmieren und kam mit Eimern wieder. Nachdem wir nach gut einer halben Stunde auf Sand umgestiegen sind, wurde der Brand weitestgehend eingedämmt und wir fuhren verschwitzt und eingerußt zum Schwimmen. Auf dem Rückweg konnten wir die riesigen Feuerwehrwagen bestaunen. Das Wort „Trucks“ beschreibt die Fahrzeuge eher, in NZ ist man wohl vor allem off road im Einsatz und ihre Reifen messen gut 1,5 Meter Durchmesser. Der Feuerwehrhauptmann sah aus wie Meister Eder und rauchte neben dem noch kümmerlich qualmenden Brandherd genüsslich ´ne Kippe.

Pause mit Pudel MintieSönke mit Archie  Auf Jimmy Thunder

Bevor wir nach Rangiora gekommen sind, haben wir uns Christchurch angesehen und ein paar Tage im Süden bei Ashburton verbracht und dort ein bisschen gearbeitet - dieses Mal im Dunkeln der Bücherei an den Laptops. Christchurch ist die drittgrößte Stadt Neuseelands, und im ganzen Gebiet ist die Plattentektonik der Erde sehr aktiv, weshalb es zahlreiche Erdbeben gibt. Im September 2010 bebte die Erde mit der Stärke von 7,1 MW, wodurch einige Gebäude beschädigt wurden. Nur wenige Monate später gab es im Februar 2011 erneut ein Beben der Stärke 6,3 MW, wobei sich dieses Mal das Epizentrum des Bebens nur zehn Kilometer entfernt vom Stadtzentrum befand und wesentlich größere Schäden verursachte, als das vorherige: ganze Gebäude stürzten ein und 185 Menschen kamen ums Leben.

Die zerstörte Christchurch Cathedral

Die ganze Innenstadt war bis vor einem Jahr noch „Red Zone“, also komplett gesperrt. Als wir am Sonntagnachmittag dort unterwegs waren, also auch keine Arbeiter auf den Baustellen fleißig waren, stand man wie vor einem Apokalypsen-Szenario: leere Straßen, leerstehende und beschädigte Hochhäuser. Auf der Suche nach der örtlichen Bibliothek haben wir uns auf einem groben Stadtplan an einer Bushaltestelle orientiert und sind zwei Straßen zu unserem Ziel weiter spaziert. Da sind wir dann etwas rat- und orientierungslos auf- und abgelaufen, da nirgends die Bücherei in Sicht war. Nach etwa fünf Minuten ist dann der Blick auf die gigantische Baugrube nebenan gefallen und die Suche hatte sich somit erledigt.

Therezas Mutter ist im Moment zu Besuch und wird von allen „Oma“ genannt, weil sie aus den Niederlanden kommt. Sie hatte ein Haus bei Christchurch an den Klippen von Sumner. Nach dem Beben musste sie der „Red Zone“ weichen, da sowohl das Haus, als auch das ganze Grundstück als unbrauchbar und gefährlich eingestuft worden. Thereza hat uns das alte Haus gezeigt, das in dem früher sehr beliebten und exklusiven Wohngebiet bei Sumner steht. Jetzt hängen halbe Fundamente von zerstörten Häusern über die zum Teil abgerutschten Klippen und viele Gebäude warten auf den Bulldozer. Omas Haus steht ganz schief, der Garten verwildert und innen sieht es eben nicht aus, als wäre jemand einfach ausgezogen, sondern eher geflüchtet. Gegenstände sind aus den Regalen geflogen und die Fenster aus ihren Rahmen gesprungen.

Trotz alledem sieht man viel Optimismus an den Ecken der Innenstadt, beispielsweise große Skulpturen, Blumen, verschönerte Bauzäune, kunstvolle Graffitis oder die Re:start-Mall. Oft sieht man Schiffscontainer, die zum Beispiel eine Gebäudewand stützen oder ein Übergangscafé sind- In diesem Fall wurde ein ganzer Platz mit bunten, kleinen Shops in Containern ausgestattet. Außerdem gibt es viele schöne und interessante Wiederaufbaupläne, weshalb es bestimmt sehr spannend ist, in gut fünf Jahren wieder zurück zu kommen.

Der Strand von SumnerRe:start Mall  Garden Festival in der Innenstadt   Service vom Roten Kreuz bei Veranstaltungen

29Januar
2014

Von Westen nach Osten per Alpenüberquerung

Auf dem State Highway 78Nach dem Abel Tasman haben wir in Kina (dieser Ortsname ergibt viele dumme Wortspiele…) Steffis Geburtstag am Grill und Lagerfeuer mit Stockbrot ausgiebig zelebriert und besonders die sportlichen Vier von uns, die den Tag vorher noch durch den Nationalpark gerannt sind, haben die Matratzen genossen. Dann ging es weiter Richtung Westküste. Ein nerviger Nachteil in NZ sind definitiv die Sandflies! Kleine Fliegviecher in der Größe einer Fruchtfliege, die überall hinein kriechen, böse beißen und sich besonders an der Westküste herumlungern und nach Frischfleisch lechzen. Nach ein paar Ganzkörperbädern im Autan Tropical, das wir eigentlich damals für die Philippinen eingeplant hatten, sind wir denen mittlerweile schutzlos ausgeliefert. Also sind wir weiter gen Greymouth an der Westküste gefahren, haben währenddessen immer mal irgendwo gecampt und sind in Flüsse gehüpft.

Geburtstagsdeko Die Mädels vom Reiseteam

Einmal musste es Sönke eine Teilstrecke mit vier Mädels in unserem Auto aushalten, die angesichts des wilden Meeres in lautstarkes Gejubel ausbrachen. Ein Zwischenstopp waren die Pancake Rocks: eine Felsformation, die durch Wind, Wetter und Erosion die Gestalt von übereinander gestapelten Eierkuchen angenommen hat - sehr touristisch, aber ganz nett anzusehen. Wir hatten ganz ungeplant das perfekte Timing und somit einen tollen Sonnenuntergang zu bestaunen. Außerdem war gerade Flut, und so waren auch die Blowholes in Aktion. Höhlen und Ausspülungen, durch die das Meerwasser nach oben gedrückt wird und somit dann zischende Fontainen aus den Felsen schießen.

Wild Westcoast Blowhole in Aktion Pancakes?! Ein paar Zuschauer zum Sonnenuntergang

In Greymouth haben Sönke und ich uns von unseren Reisegefährten getrennt, da sie noch weiter in den Süden fahren und wir die Tour für etwas später planen und uns vorher in Christchurch um das liebe Geld kümmern wollen.

Also ging es für uns über Arthur’s Pass einmal quer über die Alpen gen Christchurch. Der kleine alpine Ausflug bedeutete für Walter ordentliche Steigungen von 12 - 16%, da wir auf 920m zum Arthur’s Pass Village kommen mussten. Dafür fanden wir uns schnell zwischen hohen Bergen mit weißer Spitze wieder, als das Meer noch im Rückspiegel zu erahnen war. Bei unserem ersten Halt an einem ausgeschilderten „Scenic Place“ wurden wir gerade noch Zeugen, wie einem kleinen Kind ein neonfarbiges Plastikspielobjekt entwendet wurde: Keas sind Bergpapageie und ziemlich clevere, freche Spaßvögel mit einer Vorliebe für das Herumwerkeln an Autos (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=fBdvRCkCNfo). Überall hängen Hinweisschilder, dass man sein Auto stets abschließen sollte, damit kein Inhalt geklaut wird und für die äußeren Bauteile, wie die Radioantenne, muss man dann einfach hoffen. Der kleine Beklaute hat jedenfalls lautstark seine Wut bekundet, was die Keas sichtbar belustigt hat.

Keas mit ihrem Beutegut Otira Viadukt

Auf der ganzen Strecke gab es auch wunderschöne, kostenlose Campingplätze. Einen Tag haben wir uns genommen, um den Avalanche Peak zu erklimmen. Der hat seinen Namen daher, dass er berühmt für seine Lawinen ist - juchu! Auf der Tour klettert man von 700 auf 1800m und steigt dann wieder ab. Dass war ordentlich anstrengend, wir waren auch trotz ausgiebiger Pause am Gipfel (wo die Keas schon auf Wanderer gewartet haben) fast zwei Stunden schneller als der DOC vorgibt, aber wirklich lohnend!

Beim Aufstieg Avalanche Peak

Nach dem kleinen Dorf ging es wieder die ganzen Höhenmeter bergab, irgendwann ist das Land ganz platt; man sieht schon das Meer und ist dann nach knapp 230km einmal von der West- zur Ostküste gedüst. Unsere Radioantenne und auch - soweit wir glauben - alle anderen Teile vom Auto sind noch an ihrem Platz und die nächste Station ist Christchurch!

22Januar
2014

Durch türkise Gewässer und über weiße Sandstrände

Perfekt für eine Resonanz-Katastrophe?Nachdem wir in Picton endlich wieder festen Boden unter den Füßen und Walter vom Salzwasser befreit hatten, haben wir unsere Reise zu neunt mit drei Autos und zwei Zelten fortgesetzt. Ein Kiwi vom Arbeiten hat mal gesagt: „In the north, there are just hills. But in the south there are mountains!“. Und er hat wirklich Recht: Hier hat man beim Auto fahren sogar an der Küste entlang immer hohe Berge, in denen sich die Wolken verfangen, auf der anderen Seite.

Nelson im Norden ist eine schöne Stadt mit genau der richtigen Portion Zivilisation und - noch besser - man kann auf so gut wie jeden öffentlichen Parkplatz campen. Also gab es abends viele Backpacker aus aller Welt auf einem Haufen. Weiter ging es in unserer Kolonne zum Great Walk No.2: dem Abel Tasman National Park. Dieser ist der kleinste Nationalpark im Lande und ist nach dem niederländischen Seefahrer benannt, der als erster Europäer überhaupt Kiwi-Land betreten hat. Um auf dessen Pfaden bzw. Wellen zu wandeln, kann man die ganze Strecke auch mit dem Kajak paddeln. Und James, unser amerikanische Autospezialist, der uns in Auckland mit dem Walterkauf beraten hat, hatte uns schon vorgewarnt, dass der Abel Tasman im Sommer auch „German Autobahn“ genannt wird. Also sollte der neunköpfige Haufen deutscher Backpacker mit dem wir unterwegs sind, nichts besonderes sein. So wurden wieder die Rucksäcke mit Dosenthunfisch, Müsliriegeln und Obst gefüllt, diese dann in die Kajaks gestopft und los ging es. Vorher wurde noch das Kentern geübt und im Nachhinein sind wir alle traurig, dass wir unsere überragenden „emergency skills“ nicht anwenden und das bunte Notleuchtfeuer nicht zünden konnten.

Die Kajaks haben sich auch wirklich gelohnt, mal ging es zu einer Insel, auf der man so tun kann, als sei man das erstes menschliche Wesen, das sie betritt - bis einem die Infotafel der Umweltbehörde, die Camping und Lagerfeuer verbietet, ins Auge springt und alle Träume zerplatzen lässt. Dafür gab es an der nächsten Insel einer Robbenkolonie mit frischem, lautstarkem Nachwuchs und auch nach der überzeugten Behauptung aus einem unserer Kajaks einen Pinguin, der herumgetaucht sein soll. Bevor wir abends mit müden Armen zum Campingplatz kamen, musste noch die „Mad Mile“ überwunden werden, wo es um eine Landspitze herumgeht und ordentlich windet und Wellen gibt.

In Kampfformation Robbenmama mit scharfem Blick Landung auf Fishermen's Island

Nachts und auch morgens regnete es munter vom Himmel und wir drückten uns länger darum, aufzubrechen. Die Zelte wurden auch nicht trockener und mussten nass eingepackt werden. Wir sind dann doch noch los gekommen und hatten für den Tag gemütliche drei Stunden an der Küste entlang zu wandern - die Kajaks gab es aus finanziellen Gründen nur für einen Tag ;-) Das Wetter wurde auch immer besser und so gab es immer türkise Buchten und grünen Farnwald zu bestaunen. Fünf von uns haben sich in der Zielbucht vom teuren Wassertaxi abholen lassen und der Rest, darunter Sönke und ich, waren zu geizig dafür und wanderwütiger. Abends haben wir noch Till wieder getroffen, den wir beim Couchsurfing in Wellington kennen gelernt hatten, und der jetzt sein Zelt zufällig neben unserem stehen hatte. Überhaupt trifft sich anscheinend Neuseelands Reisegemeinde im Abel Tasman, fast jeder unserer Reisepartner hat irgendjemanden wieder erkannt, den er das letzte Mal vor fünf Monaten gesehen hat.

Eine starke sportliche Leistung unsererseits Zelte mit Buchtblick

Morgens sind dann Kim, Linda, Sönke und ich früh mit Meerblick aufgestanden, haben die Zelte abgebrochen und sind dann den ganzen Weg in acht Stunden zurückgelaufen. Zwischendurch gab es mal Halt am Cleopatras Pool, in dem man sich wider Erwarten doch gar nicht so gut abkühlen konnte, und die Freude war groß als wir dann - nach drei Tagen sportlicher Betätigung mit dürftigem Waschen im salzigen Meerwasser - vor dem Auto und den Duschen standen. Walter wurde dann umgebaut - auch zu viert und mit riesigen Rucksäcken kann man sehr komfortabel darin fahren - es ging zum nächsten Supermarkt in dem die Essensträume vom Abend auf barbarische Weise wahr gemacht wurden und dann weiter zu einem Campingplatz, den die anderen Fünf, die ja schon einen Tag früher fertig waren, ausgekundschaftet hatten.

Hier ein paar weitere Impressionen:

Ein Farn beim Ausrollen

17Januar
2014

Windy Wellington und eine lustige Seefahrt

Der Civic SquareAuf dem Weg nach Wellington haben wir noch einen Stopp am Pourerere Beach eingelegt, um Barbie und Garth noch einmal vor unserer Überfahrt auf die Südinsel zu besuchen. Barbie hatte am Telefon schon angekündigt, dass der Weihnachtsbesuch zwar noch das Haus füllt. Tatsächlich waren wir dann Teil vom Familienfest, es gab alle zwei Stunden wieder Lunch, Kaffee und Kuchen und Dinner und wir haben mal wieder festgestellt, dass der Strand einer der schönsten hier ist. Dazwischen haben wir die acht Enkelkinder, die zwischen vier und zwölf Jahre alt sind, mit Tischtennis, Wellenreiten im eiskalten Meer, Monopoly und anderen Spielen bespaßt. Außerdem haben sie uns gezeigt, wie Crab Race funktioniert: Man drehe bei Ebbe einen Stein um, fange eine darunter sitzende Krabbe und setze sich mit den Konkurrenzkrabben in einen kleinen Kreis, der in den Sand gemalt ist, und warte welche Krabbe zuerst den äußeren, größeren Kreis erreicht. Dabei wird die eigene Krabbe lautstark angefeuert - echte Emotionen! Außerdem hatte Garth ein paar gut 60 bis 70 Jahre alten Briefe aus dem Familienarchiv herausgeholt, unter anderem seine Briefmarkensammlung. Darunter waren Deutsche Marken aus der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und der Hyperinflation. Eine Briefmarke für 50 Millionen Reichsmark - ziemlich beeindruckend, ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so für Briefmarken begeistern könnte ;-) Kindern zu erklären, was Inflation ist, ist auch eine schwere Sache. Abends durften wir unseren Walter auf das Grundstück des anderen Hauses in Waipukurau stellen, wo wir letztes Mal gearbeitet hatten. Das Haus ist mittlerweile so gut wie verkauft und die letzten Möbel werden ausgeräumt - es war richtig schade, das schöne Haus so leer stehend zu sehen. Mittags mussten wir uns leider von allen verabschieden und sind weiter nach Süden gefahren.

Pourerere Beach! Auf der Suche nach der Gewinnerkrabbe

Auf dem Weg nach Wellington gab es einen Campingplatz an dem Drehort für Bruchtal von „Herr der Ringe“. Da sind wir herumgelaufen, aber die Landschaft im Film wurde einmal aus dem Wald dort und Wasserfällen aus Fjordland zusammengeschnitten - mithilfe der Infotafeln vor Ort konnte man immerhin einen Baum im Film wieder erkennen.

Die restlichen Kilometer nach Wellington haben Walter gefordert: Die steilen Berge hoch mussten wir da öfters den zweiten Gang gebrauchen, außerdem drückt der Wind das Auto ab und zu einen Meter zur Seite. In Tawa, etwa 20 Minuten Autofahrt von Wellington, wohnen Shannon und Rob mit ihren beiden kleinen Kindern, bei denen wir wieder eine Unterkunft über Couchsurfing gefunden hatten. Dort angekommen fanden wir uns inmitten einer Couchsurfing-Familie wieder: es kam immer wieder ein neues Gesicht in die Küche spaziert, das zu einem Reisenden von irgendwo auf der Welt gehörte. Am ersten Abend haben alle zusammen gekocht und wir sind mit der Familie und ein paar anderen Couchsurfern, zu einem Strand zum Sonnenuntergang gucken gefahren, von dem man sogar schon die Südinsel in der Ferne sehen konnte.

Ganz hinten: die Südinsel

Neuseelands Hauptstadt Wellington ist in einer Bucht and der Südspitze der Nordinsel gelegen und hat das größere Auckland 1865 nur als Hauptstadt abgelöst, weil Wellington zentraler gelegen ist. Nach der ganzen Camperei in der Wildnis waren Sönke und ich ganz begeistert davon, mal wieder durch eine belebte Straße an vielen anderen Menschen zu laufen und den Autogeräuschen zu lauschen. Für den gemeinen Backpacker ist eine solche Stadt aber auch ein gefährlicher Ort, da man überall seine Kröten für Sushi, Kaffee und Klamotten lassen kann - besonders auf der Cuba Street, dem Kreuzberg von Wellington. Dort kann man auch viele alte Bekannte treffen, wie zum Beispiel Maxime vom Arbeiten, der uns dort zufällig entgegen spaziert kam. Am ersten Tag haben wir das Parlament und die Regierungsgebäude besichtigt, um uns mal über neuseeländische Politik zu bilden, und kamen dort in den Genuss einer Führung, die wir uns nur mit zwei anderen Leuten teilen mussten. Allerdings war im Parlament fast kein Betrieb, da die Abgeordneten gerade gut zwei Monate Sommerurlaub machen.

Beehive: Das Regierungsgebäude The ParliamentThe National Library

Außerdem waren wir Kulturmenschen vier Tage hintereinander für jeweils zwei Stunden in dem kostenlosen (!) Nationalmuseum, dem Te Papa, das sehr modern und mit allen möglichen interaktiven Geräten ausgestattet ist. Abends waren wir bei einem Open-Air-Konzert in den Botanischen Gärten, das Teil des Summer-Festivals von Wellington ist, und sind zu Swing und Jazz herumgehüpft. 

Einen anderen Abend haben wir bei unserer sich ständig verändernden Couchsurfing-Familie mit blutigen und witzigen Brettspielen verbracht. An diesem Tag ist ein Harvard-Student aus Amerika dort angekommen, der wirklich mindestens 15 Sprachen fließend konnte - darunter Chinesisch, Isländisch, Georgisch oder eine afrikanische Sprache mit so abgefahrenen Klick-Lauten, die sogar er ein halbes Jahr üben musste. Sein akzentfreies Deutsch sei laut eigener Aussage aber nicht so gut, da er keine tiefgründigen, politischen Diskussionen führen könnte. Es war toll, dass wir bei Shannon und Rob sein konnten, die wirklich jeden offen und herzlich empfangen und ihr Haus mit den Couchsurfern teilen, sodass man viele interessante Leute aller möglicher Herkunft Nationen kennenlernt.

Unsere Fahrt mit der Fähre war auch ein kleines Abenteuer: Vorher hatte uns Dave vom Arbeiten ja schon erzählt, dass im Frühling eine Fähre zwischen der Nord- und Südinsel einfach ihre Schiffsschraube verloren hatte, die nach vielen Wochen der Sucherei aber wieder gefunden und über mehrere Tage wieder geborgen wurde. Sönke hat zufällig in den Nachrichten gesehen, dass unser Fährschiff, die „Stena Allegra“, das uns abends auf die Südinsel bringen sollte, "wieder" Probleme beim Auslaufen gehabt hatte. Also studierten wir erstmal die jüngsten Pressemitteilungen unserer Fährgesellschaft während wir uns im Hafen mit Walter schon in die Warteschlange gereiht hatten: In der Ostsee ist die Stena Allegra nämlich im Sommer auf Grund gelaufen, während die neuseeländische Fähre ihre Schraube verlor. Also wurde das Ostsee-Schiff den Neuseeländern für die anstehende Hochsaison im Dezember und Januar ausgeliehen, einmal um die halbe Welt geschippert und war seit Anfang der Woche zwischen Wellington und der Südinsel im Dienst. Seitdem ist sie mit technischen Problemen schon mehrmals in der Bucht liegen geblieben und die meisten Fahrten mussten abgesagt werden. Zehn Minuten nachdem das Schiff schon hätte auslaufen sollen, stand zwar noch kein Auto an Bord, aber es gab die Nachricht, dass der technische Fehler behoben sei. Also ging es los und nachdem wir die Bucht verlassen hatten wurden wir dann mit gut 10 bis 20 Meter hohen Wellen konfrontiert, die ordentlich gegen das Schiff knallten und so manche Autoanlage zum Singen brachte. Ich bin anscheinend nicht so der geborene Seemann und während Sönke vor den Panorama-Fenstern ganz vorne jubelnd stand und jede Welle anfeuerte, saß ich mit Linda und Steffi, die wir noch aus Hastings kennen, auf dem Boden vom Flur. Angesichts manch weniger seefesten Mitfahrern, die tief in Papptüten blicken mussten, welche von der fröhlichen Crew verteilt wurden, sind wir dann nach draußen umgezogen. Dort war es zwar verdammt kalt und nass, dafür roch die Luft aber nicht mehr nach Erbrochenem. Nach drei Stunden waren wir dann - ENDLICH- kurz vor dem Ziel Picton und es ging länger durch ruhigere Gewässer, weshalb man die Landschaft auch noch genießen konnte.

Ruhe nach dem SturmMit Eis den Magen beruhigen

06Januar
2014

Great Walk am Waikaremoana

Auf dem Panekire BluffNach einigen in Turangi am Tongariro-River, an welchem zwei Forellen für unser Abendessen ihr Leben lassen mussten, setzte sich unsere Reise zu viert weiter nach Napier - unserem zu Hause! - fort, da für uns der Great Walk am Lake Waikaremoana auf dem Plan stand. In Neuseeland gibt es neuen „Great Walks“, welche die bekanntesten Wanderungen des Landes sind und immer mehrere Tage dauern. Dabei übernachtet man nach Anmeldung entweder in Hütten oder im Zelt und muss immer alles mit- und wieder heraustragen - auch den Müll! In Napier wurden erst einmal an unserem alten Arbeitsplatz Vitamine eingekauft und die ehemaligen Kollegen besucht. Als kleine Trainingseinheit zwischen dem Tongariro Crossing und dem anstehendem Great Walk haben wir noch einmal den Te Mata Peak erklommen und uns dabei ordentlich von Windböen durchpusten lassen. Mittlerweile sieht die Landschaft ganz anders aus: die vielen, vorher grünen Hügel sind ausgetrocknet und gelb - mein Vater hat schon Parallelen mit dem heimischen Dörnberg gezogen. In Ansätzen kann er vielleicht mithalten ;-)

Kochen vor dem Cape Kidnappers Zwischen Giant Redwoods Blick vom Te Mata Peak

Nach einer Übernachtung am Waikare River Mouth auf halbem Wege zwischen Napier und unserem Ziel waren wir morgens an einem menschenleeren Strand mit viel Treibholz, aus dem unsere Vorgänger eine Burg gebaut haben. Leider hatten wir keine Zeit mehr, sonst hätten wir auch für eine Nacht die Burg bezogen. Nach einem Tag Auto fahren und Einkaufen in dem wirklich kleinen Kaff Wairoa, wo wir lustigerweise zufällig July und Jose auf dem Parkplatz vom Supermarkt getroffen haben - hier trifft man jeden nicht zweimal, sondern mindestens dreimal! - wurden abends die Rucksäcke mit Müsliriegeln, Knäckebrot und Wanderwürstchen bepackt.

Morgendlicher Spaziergang am Waikare River Mouth

Am Tag Eins ging es im Nieselregen fünf Stunden steil aufwärts bis zu dem Panekire Bluff auf 1180 Meter. Der Aufstieg war zwar anstrengend, besonders mit den dicken Rucksäcken - ein Grund mehr oben viel Proviant zu essen, damit es leichter wird - aber die Ausblicke sind es definitiv wert! Oben hat es sehr stark geregnet und gestürmt: Die Bäume haben so stark im Wind geschaukelt, dass die Erde über den Wurzeln gewackelt hat. Wir haben authentische Videos gedreht, bei denen man gut behaupten kann, dass man Zeuge eines Erdbebens der Stärke 6,6 geworden ist.  Nach der vorgeschlagenen Route des DOC endet hier der erste Wandertag an der Panekire Hut, aber wir sind ja sportlicher als der durchschnittliche Wanderer und sind gleich noch vier Stunden den Berg wieder heruntergestiegen zu der viel schöneren Waiopaoa Hütte direkt am See, wo man auch Baden konnte. Zwei Schlafräume auf die sich 30 Leute verteilt haben führten zu meiner bisher schlafärmsten Nacht hier: das Schnarchkonzert von so manch’ müdem Wandersmann kann in den Wahnsinn treiben!

    Moos wie LamettaAuf dem Panekire Bluff 

Unausgeschlafen ging es dafür am nächsten Tag gut sechs Stunden über kleinere Hügel durch den typischen, neuseeländischen Farnwald und hohe Gräser bei Sonnenschein. So starkem Sonnenschein, dass man die ungeöffnete Schokolade mit einem Stein im See versenken muss, damit sie wieder essbar wird. Abends waren wir bei der mit Abstand modernsten Hütte, wo man nicht mehr direkt neben zehn fremden Menschen schlafen musste, sondern sein eigenes Hochbett hatte - allerdings war der Geräuschpegel nachts nicht viel besser ;-)

Am letzten Tag hatten wir nur noch entspannte drei Stunde bis zum Ziel zu laufen, weshalb wir auch viele Pausen an den einladenden Badestellen eingelegt haben und Papa seine mitgeschleppte Angel ausgeworfen hat - dieses Mal ohne Forelle für das Dinner.

 

Am Startpunkt waren wir dann wieder bei Walter, der geduldig auf uns gewartet hat und wir mussten uns dort schon wieder von meinen Eltern trennen, die zwei Tage später von Auckland ins kalte Deutschland fliegen mussten, und bis dahin noch ein paar neuseeländische Kilometer vor sich hatten.

Sönke und ich haben dann abends in einem „richtigen“ Camp wieder den Luxus einer Küche, Dusche, Strom und Waschmaschine ausgenutzt und uns nach den 46 Kilometern erstmal so wenig wie nötig bewegt. Am nächsten Tag sind wir wieder zurück zu unserem ehemaligen Orchard, wo jetzt fast nur noch Deutsche und Franzosen arbeiten, nach Bay View gefahren, wo wir einen Deutsch-Französischen-Abend mit Ratatouille, Sauerkraut und Bratwurst am Lagerfeuer. Russell wollte uns schon überreden, morgens wieder auf den Hydralada zu klettern und die Aprikosen in Angriff zu nehmen- wir haben aber dankend abgelehnt ;-)

31Dezember
2013

Durch Mordor am Schicksalsberg vorbei

Rauch an den Crater Lakes

Ein etwas surreales Weihnachten haben wir mit meinen Eltern im Haus von Jane in Auckland verbracht, das mitten im Grünen zwischen Palmen und Baumfarnen liegt. Ein H-A-U-S! Sönke und ich haben rekonstruiert, dass wir gut zwei Monate nicht mehr in einem richtigen Bett geschlafen haben und so wurden ein paar Tage die Vorzüge von Sofa, Strom, fließend Wasser und Küche genossen. Jane hatte einen episch blinkenden Weihnachtsbaum in ihrem Wohnzimmer stehen, der ein bisschen Weihnachtsstimmung verbreitete.

Auf dem Aucklander Fischmarkt beim Einkauf vom Weihnachtsessen Vor blinkendem Weihnachtsbaum

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es zu dem Muriwai Beach, nur eine Autostunde von Auckland entfernt und auch dementsprechend überfüllt. Dafür gab es da mal wieder Gannets zu sehen - vor allem zu riechen - und sehr schönes, wildes Meer mit schwarzem Sand und hohen Wellen.

Babygannets Sönke sollte eigentlich trocken auf dem Felsen posen Schwarzer Sand und weiße Beine

Danach sind wir mit Walter und einem um einiges komfortableren Mietwagen fast noch einmal die Route gefahren, die wir vor vier Monaten schon zu zweit Richtung Napier eingeschlagen sind: Es ging bei bestem Wetter über Coromandel Island zu der Cathedral Cove, die wir letztes Mal noch nicht gesehen hatten. Auch dort ordentlich viele Touristen, Coromandel soll aber auch die Urlaubsecke der Aucklander sein. Dafür hatten wir viel Sonne, weshalb wir im Sonnenuntergang noch einmal in selbstgebuddelten Spa Pools am Hot Water Beach entspannen konnten, bis diese von der Flut des kalten Pazifiks kaputt geschwemmt wurden. Über Schwefelcity Rotorua, die man 10 Kilometer vorher schon gegen den Wind erschnüffeln konnte, ging es zum Lake Taupo.

      Coromandel IslandPläuschchen mit einem sprechendem Kakadu

Dort hatten wir noch eine Rechnung mit dem Tongariro Alpine Crossing offen, welches wir im September wegen des schlechten Wetters nicht in Angriff nehmen konnten. Das soll in Neuseeland eine der heißbegehrtesten Ein-Tages-Wanderungen sein, in dem es knapp 20 KIlometer durch den Tongariro Nationalpark geht. Das ist der viertälteste Nationalpark auf der Welt, in dessen Zentrum sich drei aktive Vulkane tummeln: der Tongariro, der Ngauruhoe mit perfekter Kegelform (dessen Name sich niemand merken kann, der aber den Schicksalsberg im „Herr der Ringe“ spielt) und der Ruapehu (2797m), der alle Jahre wieder mal ausbricht. Also fanden wir uns am 31.Dezember inmitten einer Karawane wieder, da das launische Wetter dort wieder den Track über die letzten Tage sperren ließ und sich da anscheinend einige, geduldige Wanderwütige angesammelt haben. Vorher haben uns noch fröhliche Ranger mit auf den Weg gegeben, dass der Tongariro an diesem Tag nur ein bisschen weißen Rauch ausstößt und dass man sich möglichst nicht in den Senken aufhalten sollte, da man sonst im nicht unwahrscheinlichen Falle eines Vulkanausbruchs einem Fluss aus Lava im Wege stehen könnte. Außerdem sollte man sich angesichts von Felsbrocken, die in der Luft einen Bogen fliegen, keine Gedanken machen, da es dort keine Gefahr gäbe, dass ein solcher auf dem Kopf landet. Steht so ein Brocken allerdings mitten in der Luft und bewegt sich scheinbar nicht, heißt das, dass er direkt auf den Betrachter zufliegt und es egal ist, wohin man dann noch läuft.

Mit dem neu erlangten Wissen über Verhaltensweisen angesichts von fliegenden Felsbrocken ging es bei dem Startpunkt, dem Mangatepopo Valley, auf 1100 Meter vorbei an auffälligen Hinweisschildern, dass man jetzt die „Volcanic Hazard Zone“ betrete, und durch alpines Gestrüpp.

Im Treppenhaus des Teufels, den „Devil’s Staircase“, ging es einen steilen Anstieg hoch und oben angekommen, haben wir uns erstmal in Mütze, Schal und Handschuhe eingepackt und mussten bei der anschließenden Gradwanderung darauf achten, nicht von den Windböen heruntergeweht zu werden. Dabei ging es noch vorbei an dem Red Crater mit Öffnungen, an denen heißer Dampf austritt bis zu zwei wunderschönen, tiefblauen Seen, wo es eine Pause in Sonne gab.

      Ameisenwanderung? Dick eingepackt: Blick auf Mordor Unschwer erkennbar: der Red Crater Oben angekommen

Beim Abstieg kommt man am Tongariro vorbei, der erst am 6. August 2012 das letzte Mal ohne Vorwarnung ausgebrochen ist und wo deshalb das Gestrüpp noch teilweise versengt ist und man an Teilen von dem zerstörten Track vorbeiläuft. Auch das Dach einer Hütte am Ende der „Volacanic Hazard Zone“ ist noch von diesem Ausbruch etwas gebeutelt.

  Etwas Geschoss, große Wirkung Auf einmal im Wald

Am Ende spaziert man noch durch einen nativen, grünen Wald mit vielen Farnen, bis wir nach gut 6 Stunden am Ziel waren.

Viele Vegetationszonen, beeindruckende Ausblicke und ein Querschnitt aus aktuellen Sortimenten sämtlicher Outdoorläden bei den vielen Menschen, die sich da oben tummeln - aber absolut empfehlenswert!

Der Rauch soll nur gefährlich sein, wenn er grau wird!

Blöd, dass man am Ende des 31. auch noch das Neue Jahr begrüßen sollte…in  der Forellenhauptstadt Taurangi haben wir uns mit erbitterten Risiko-Schlachten wach gehalten und als es um Mitternacht auf die Straße ging…absolut nichts. Keine einzige Rakete am Himmel (die man in den Geschäften vorher sowieso nicht kaufen konnte), in einem Haus saß die Familie vor dem Fernseher und die Partys, die man vorher noch gehört hat waren um 1 auch schon vorbei. Sei es drum, wahrscheinlich ist die Brandgefahr der Nachteil am Silvesterfeiern im Sommer und aus Backpackersicht ist es ja sowieso absoluter Schwachsinn, sein Geld anzuzünden und in die Luft zu jagen.

In dem Sinne: Frohes Neues an alle Daheimgebliebenen (mit einem hoffentlich etwas spektakuläreren Nachthimmel während der Silvesterparty ;) )

23Dezember
2013

Tasman Sea Meets Pacific Ocean

Am Cape ReingaAuf Neles Empfehlung hin ging es nun los um Northland zu erkunden: einmal von Auckland bis zum Cape Reinga, der (fast) nördlichsten Spitze Neuseelands. Kaum sind wir bei Russell losgefahren, ist nach ein paar hundert Kilometern aufgefallen, dass das Lenkrad schlackert und sich ein so selbstständig bewegt, wie sich kein Lenkrad bewegen sollte. Beim Abendessen in einem kleinen Park an der Straße wurde mit einem Tritt gegen die Reifen noch festgestellt, dass diese recht stabil wirkten. Eigentlich wollten wir die Nacht in der Wildnis campieren und haben davor noch einmal kurz in der eher kleinen Stadt Pukururu die öffentlichen Toiletten in Anspruch genommen, bis uns ein fieses Knirschen vom linken Vorderrad am Weiterfahren gehindert hat. Dieser war dann vollständig platt und die Nacht wurde dann illegalerweise auf dem öffentlichen Parkplatz im Stadtzentrum geparkt, aber eine offensichtliche und überzeugende Ausrede hatten wir ja. In der Früh ging es dann an das Beheben von Walters Wehwehchen, allerdings gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: wir hatten gleich zwei Ersatzreifen an Bord. Die Schlechte: Keiner von beiden sollte an das Auto passen. Also gab es erst einen Spaziergang zum nächsten Reifenspezialisten, wo uns David zwei neue Vorderreifen anbot, um das Auto fürs Erste legal auszustatten, woraufhin wir jedoch im März noch einmal in zwei neue Hinterreifen investieren müssten, um durch die WOF (den Kiwi-TÜV) zu kommen, da der Unterschied der Profiltiefe maximal 0,6mm betragen dürfte. Um uns das zu ersparen („sparen“ ist hier wohl das falsche Vokabular), gab es gleich einen ganzen Satz neuer Reifen für viele Dollars, inklusive guten Cappuccino aus dem Automaten der Werkstatt. Dafür verbrauchen wir jetzt weniger Sprit, liegen bestens auf der Straße UND können uns glücklich schätzen, dass die Reifen sich auf keinem Abenteuerhighway in der Pampa oder lebensgefährlichen Kurven verabschiedet haben, denn für das Abschleppen hätten wir wahrscheinlich einige Tonnen Nektarinen ernten müssen.

Also ging die Fahrt weiter durch Hamilton, was uns beiden sehr gut gefallen und gleichzeitig etwas überfordert hat, da wir so lange keine „Groß“-stadt mehr gesehen haben. Sooo viele Autos, Spuren und große Einkaufsstraßen! Hamilton war in den letzten Jahren die Stadt mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum und ist wirklich sehr schön neben einem See mit Fluss mit vielen Gärten gelegen. Trotzdem ging es schnell weiter; durch Auckland gedüst und unser nächster Stopp zum Übernachten war am Te Arai Point, einem wunderschönen Strand mit vielen Dünen und noch mehr Muscheln, hohen Wellen mit zahlreichen Surfern und einem beeindruckenden Vollmond, der aus allem eine silbrige, magische Szenerie gemacht hat.

Vollmond am Te Arai Point Alles bei Tag Strandspaziergang Ende Dezember

In Whangarei, der größten Stadt Northlands gab es dann einmal die Abbey Caves zu besichtigen. Anderswo auf der Nordinsel sind die berühmten Waitomo-Caves mit Guide am Abseilseil zu besichtigen und wir hatten das ganze Programm gratis - nur eben auf eigene Faust und ohne Seil! Durch die drei ganz naturbelassenen Höhlen ging es dann mit Stirnlampen an Stalaktiten vorbei durch teilweise hüfthohes, kaltes Wasser und an den Wänden und Decken gab es tausende grüne Glühwürmchen zu bestaunen, die wie ein Sternenhimmel anzusehen sind. Beim Hinausklettern waren wir dann ganz geblendet von dem grellen grün vom neuseeländischen Wald. Außerdem hat der Lonely Planet ein Vogelkrankenhaus empfohlen, wo es für uns unter anderem kleine Baby-Kiwis, die dort zum Aufpäppeln sind, und lustige, redende Tuis, die „Come on“ durch die Gegend krächzen, und andere beeindruckende, gefiederte Exemplare anzusehen gab.

Hobbiton?! Licht am Ende der HöhleSchwimmen!

Einen kurzen Zwischenstopp mit Gang auf die Toiletten gab es in Kawakawa, wo Hunderwasser, der hier bis zu seinem Tod 2000 sage und schreibe 27 Jahre gelebt und öffentliche Toiletten gebaut hat. Der wusste wohl, wo es gut ist.

Weiter ging es zu der Bay Of Islands, für die überall mit bunten Flyern geworben wird, weil es mit den im Wasser planschenden Delfinen, den vielen Inseln besonders schön sein soll. Vielleicht wurden wir bisher einfach zu verwöhnt oder um Weihnachten ist einfach zu viel los: wir waren jedenfalls nicht so begeistert - NZ hat noch so viele schönere Ecken zu bieten und in der Bay gibt definitiv zu viel & zu teurer Tourismus! In der Tauranga Bay brauchten wir kurz darauf den Strand mit nur einer Handvoll anderer Menschen teilen und beim Tauchen konnte ich sogar einen Rochen entdecken!

In dem kleinen Ort Kaitaia kann man dann das letzte Mal -vergleichsweise teuer- tanken und einkaufen, bis es dann noch einmal gut hundert Kilometer zum Cape Reinga geht. Die Kilometer musste noch ein Rennen gegen den Sonnenuntergang gewonnen werden bis wir an dem Punkt waren, wo die Tasmanische See auf den Pazifik trifft, was einen so atemberaubenden Anblick bot, dass man richtig unter Adrenalin stand.

Am Cape Reinga Im hohen Norden

Den ganzen nächsten Tag haben wir in der Wüste verbracht: etwas südlich gibt es riesige Sanddünen, wo wir uns Sandboards zum Herunterdüsen geliehen haben - viel Spaß, aber bloß den Mund fest geschlossen halten, sonst knirscht es später noch länger!

Was für eine Woche: von gefluteten Höhlen, lustigen Ortsnamen über wunderschöne Sandstrände und hohen Klippen bis zur Wüste hatten wir alles im strammen Programm und sind sehr froh, dass wir die Tour etwas gemacht haben. Zurück in Auckland freue ich mich jetzt riesig auf meine Eltern und die Reise mit ihnen; danach fährt die Fähre am 17. Januar mit uns auf die Südinsel!

Allen Daheimgebliebenen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest mit den Liebsten, nach Schnee sieht es ja in Deutschland leider genauso wenig aus wie hier bei mir ;)

18Dezember
2013

Obstsalat!

Feierabend am StrandEin paar Wochen sind wir in den Weiten der Plantage von Russell abgetaucht - also hier ein paar fällige Updates. Wie schon erwähnt, wird bei ihm eher neun bis elf Stunden am Tag gearbeitet, es gibt normalerweise keine freien Tage und nach einer 70-Stunden-Woche geht es auch mal am Montag danach gleich zwölf Stunden in den Bäumen weiter. Alles in allem ordentlich anstrengend, aber auch sehr wohltuend für’s Konto und die Zeit rast einfach nur so dahin! Er baut eigentlich alles an Obst und Gemüse an, was dann an einen Supermarkt oder direkt in seinem eigenen Orchard Store verkauft wird. In angesprochener Woche haben wir dort mitgewirkt, 90 Tonnen Nektarinen von den Bäumen zu holen, und sollte man jetzt Nektarinen auf der Nordinsel in einem der beiden großen Supermarktketten kaufen, seien, laut unserem stolzen Chef, alle von ihm. Wir haben aber in letzter Zeit so viele Aprikosen, Nektarinen, Pflaumen und Pfirsiche frisch vom Baum gefuttert, dass die erstmal eher nicht in den Einkaufskorb kommen sollten.

Die Größe von dem Orchard ist zum Arbeiten eigentlich optimal. Zum Einen hat man immer Abwechslung: beispielsweise geht es morgens ins Erdbeerbeet (vorzugsweise in Gummistiefeln, da zwischen den Reihen gerne tief das Wasser steht) und nach zwei Stunden des Erdbeerpflückens ist der Rücken auch ganz dankbar, wenn er wieder in die Vertikale gerichtet wird. Zwei Stunden im Erdbeerfeld entsprechen wohl etwa einer Besichtigungstour durch ein Hobbithaus. Außerdem konnten wir direkt hinter dem Shop wohnen, hatten eine Küche und Bad, die wir uns mit Mehreren geteilt haben. Am Besten war eigentlich, dass man mit vielen netten Leuten aus verschiedenen Ecken der Welt (viele Kiwis, viele Franzosen, viele Deutsche, auch Kanadier und Iren, …) zu tun hatte und wir in unserer WG mal zu zwölft, mal zu siebt zusammen gewohnt haben. Dabei konnte man immer das abgreifen, was im Shop übrig geblieben ist - also sollten wir in letzter Zeit bestens mit Vitaminen und gesundem Zeugs versorgt worden sein.

Gummistiefel an und ab in den Sumpf Unsere treue, zahme Mitbewohnerin Sönke gehts an die Haarpracht

Einmal hat uns Russell gefragt, ob wir „mal kurz bei einem Freund“ von ihm aushelfen können, auf Nachfrage ergänzte er dann: „Well, actually he’s my little brother.“. Der Orchard vom kleinen Bruder war dann einfach gigantisch, man hat die Enden der Reihen nicht gesehen, war mit 16 anderen Maschinen in zwei Reihen unterwegs und die Pflaumen reisen gewiss nach Europa. Nach zwei Tagen dort waren die Hände richtig trocken, rissig und mit weißem Puder bedeckt, weil die Pflaumen immer mit Sunblocker besprüht werden, damit es keinen Sonnenbrand gibt. - Also Leute, lieber immer das Obst vor dem Essen waschen! Wir waren dann auch ganz froh, als es wieder zurück ging.

Hatten wir mal unerwartet einen freien Tag, sind wir mit Freunden zum Strand oder Wasserfall gefahren, haben July und Jose in ihrem Hostel besucht, mal einen niedlich-kleinen Weihnachtsmarkt ausgekundschaftet (10m die Straße hoch, das weihnachtlichste waren Stollen vom deutschen Bäcker) oder haben abends mit unseren „Kollegen“ am Strand ein Lagerfeuer oder BBQ veranstaltet. So lässt es sich durchaus leben!

Nach vier Wochen bei Russell und unglaublichen zweieinhalb Monaten in Hawke’s Bay wird es jetzt wieder Zeit für uns Walter zu packen und Neuseeland weiter zu erkunden. Weihnachten treffe ich meine Eltern in Auckland und der eigentliche Plan war, vorher gemächlich eine Woche an der Westküste entlang dorthin zu reisen. Nele, die wir auf unserem Orchard kennen gelernt haben, meinte aber, dass wir ein paar Kilometer mehr auf uns nehmen sollten und unbedingt Northland, den „kleinen“ Zipfel über Auckland, bereisen sollten - das wird jetzt gemacht.

Flussdurchquerung mit Walter

Etwas schweren Herzens verlassen wir dann doch Hawke’s Bay, das nach der langen Zeit schon irgendwie unser neuseeländisches zu Hause geworden ist und uns viele schöne Erinnerung mit tollen Menschen beschert hat.

Mal sehen, ob wir noch wissen, wie das richtige Reisen funktioniert ;) 

Noch ein paar weihnachtliche Impressionen:
Do it yourself: Ein neuseeländischer Adventskranz Weihnachtsdeko mit Palmen in Napier   Nele, Simon und Sönke unter einem Christmas Tree

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